Nigerianischer Moloch Lagos

Normalerweise gehen meine Auslandsreisen immer an nette Orte, wo man als Tourist gerne die Zeit verbringt. Dieses Mal durfte ich jedoch aus dienstlichen Gründen in die nigerianische Metropole Lagos reisen. Recherchiert man vorher im Internet über Lagos, dann kann einem die Lust auf solch eine Reise schon vergehen. Ich bekam sogar den Auftrag von einem Kollegen, einige Fotos von wildlebenden Tieren in Nigeria zu knipsen. Angeblich sollen ja Hyänen durch die Straßen streuen. Mal schaun, ob dies klappen sollte.

Irgendwann in den letzten 30 Jahren hat die Stadt den Anschluß an die Neuzeit verpasst. Aus einer übersichtlichen kleinen Millionenstadt entwickelte sich Lagos zu einem 20 Millionen – Moloch, dessen Infrastruktur aber kein bißchen den neuen Einwohnerzahlen angepaßt wurde. Ständige Stromausfälle und ein absolutes Verkehrschaos sind an der Tagesordnung. Da sich die Regierung von Nigeria nichts anderes behelfen wußte, wie mit den Problemen dieser Metropole umzugehen hat, wurde einfach mal die Hauptstadt aus Lagos in die neuerbaute Stadt Abuja verlegt. Geändert hat sich am Status von Lagos aber nichts, Lagos ist die Wirtschaftsmetropole des Landes und erfreut sich eines steten Zustroms aus dem Umland.

Ankunft am Flughafen in Lagos

Das Flughafengebäude hatte auch schon mal bessere Zeiten gesehen. Alles war heruntergekommen und schäbig. Die Beamten der Einwanderungsbehörden hielten auch nichts von Gleichberechtigung. Alle weißen Fluggäste durften sich in einer separaten Schlange anstellen, die nur ganz langsam vorankam. In der Zwischenzeit landeten weitere Flugzeuge und die farbigen Fluggäste wurden sofort durch die Kontrollen gelassen.

Kurz hinter dem Flughafen

Kurz hinter dem Flughafen

Wir standen und standen. Nach etwa 1,5 Stunden war ich an der Reihe. Nachdem ich meine Papiere vorgezeigt hatte und schon einige Zeit gewartet hatte, sagte mir die Beamtin, daß gerade ihr Computer ausgefallen sei. Ich möchte mich doch bitte mal am Nachbarschalten mit anstellen. Naja, irgendwann hatte ich dann meinen Stempel und ich durfte ins gelobte Land rein. Die Reisetaschen waren in irgendeiner Ecke abgestellt wurden, da ja das Band schon wieder für die nächsten Passagiere im Einsatz war. Nachdem wir dann bei der letzten Kontrolle noch den Impfpaß vorzeigen mußten, standen wie nun vor dem Flughafenterminal. Das Gewusel hier war unbeschreiblich, Dutzende Leute mit Schildern warteten auf ihre Fluggäste. Zum Glück fanden wir schnell unseren Abholservice, der uns hinauslotste. Endlich im Auto sitzend, konnten wir erst mal verschnaufen.

Mitten im Verkehrschaos von Lagos

Nigeria verdient jedes Jahr Milliarden durch den Ölverkauf. Doch irgendwie kommt von den Geld nichts bei den Straßen an. Die meisten Straßen sind in solch einen gotterbärmlichen Zustand, daß man es gar nicht beschreiben kann.

Nigerianische Jugendverkehrsschule

Nigerianische Jugendverkehrsschule

Mitten auf der Stadtautobahn finden sich 30 cm tiefe Schlaglöcher, die nur durch einen alten Autoreifen abgesichert werden. Übersieht man nur eine dieser Stellen, ist das Auto hin. Die Straßen wurden damals auch nicht für diese Autoanzahl erbaut. Praktisch auf jeder Straße stauen sich die Wagenkolonnen. Betrachtet man die anderen Fahrzeuge, Autos und LKWs, sieht man fast nur Schrottfahrzeuge. Einen TÜV-Test würden die meisten Wagen nicht bestehen. Auffällig ist das Vorhandensein von vielen LKWs mit deutscher Beschriftung. Hier in Nigeria erfahren Schrottfahrzeuge aus Deutschland ein weiteres Leben. Irgendwie ist es schon lustig, wenn plötzlich die Kreiswacht aus Hintertupfingen neben einem herfährt. Dazwischen finden sich aber immer mal wieder Edellimousinen. An diesen Autos erkennt man dann, daß im Land doch Geld vorhanden ist. Aufgrund des Verkehrschaos braucht ein durchschnittlicher Pendler 3 Stunden für den Weg von und zur Arbeit. Der Großteil der Mittelschicht fährt daher nicht selber, sondern nutzt die Dienste eines Fahrers. So kann man wenigsten die Zeit während der Fahrt sinnvoll nutzen.

Erschwerende Bedingungen während der Monsunzeit

Im Juli ist in Lagos Regenzeit. Dann kann es schon mal mehrere Stunden ununterbrochen schütten. Für den Autoverkehr ist diese Jahreszeit katastrophal. Teile des Straßennetzes sind überschwemmt und die Fahrzeiten steigen extrem an.

Monsunzeit in Lagos

Monsunzeit in Lagos

Leider hatten wir 2 Tage Regen. Die normale Fahrzeit von 30 Minuten verlängert sich auf 2 Stunden. Es war so frustrierend, wenn wir im Stau standen und nichts voranging. Ein mulmiges Gefühl kam hinzu, wenn plötzlich links und rechts überall Tanklastwagen waren. Keine Ahnung, warum es an manchen Straßenabschnitten solch eine Anhäufung von Tankwagen gab. Dies habe ich in dieser Art vorher noch nie irgendwo auf der Welt gesehen. Jedenfalls verbrachten wir jeden Tag 4 Stunden im Auto. Hochgerechnet auf die nigerianische Wirtschaft, muss dieses Verkehrschaos dem Land Milliarden Dollar im Jahr kosten.

Übernachtung im Hotel

Das Preis-Leistungsverhältnis im Bereich im Hotels ist in Nigeria unterirdisch. In einem normalen Business-Hotel darf man etwa 300 Euro pro Nacht löhnen. Dies ist mehr als doppelt so hoch wie zuhause in Deutschland.

Hohe Luftfeuchte am Hotelpool

Hohe Luftfeuchte am Hotelpool

Fast alles für die besseren Hotels muß importiert werden, da die lokale Qualität zu schlecht ist. Für Getränke und Abendessen zahlt man sich auch dumm und dämlich, mangels Alternativen zahlten wir für einen Burger mit Pommes 25 Euro. Trotz der hohen Übernachtungspreise durften wir dann jeden Abend mindestens einen Stromausfall erleben. Wir waren total überrascht, da wir in dieser Hotelkategorie mit einer Notstromversorgung aus Generatoren gerechnet hatten.

Fazit

Außer Geschäftsreisen gibt es Null Gründe, in dieses Land zu gehen. Lagos ist ein Moloch, total dreckig, gefährlich, jeden Tag ist Verkehrschaos, meistens ist es extrem schwül und es ist Malariagebiet. Zum Glück waren wir nach einer knappen Woche wieder weg. Und Hyänen hab ich natürlich auch nicht gesehen.

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