Mein erstes Mal Couchsurfing in Buenos Aires

Der Präsidentenpalast von Buenos Aires

Am 20. September sind wir – das heißt meine Freundin Judith und ich – die Reise nach Südamerika angetreten. Unser erster Stop würde in Buenos Aires sein, bevor es weiter nach Montevideo und schließlich Rio de Janeiro gehen sollte. In der argentinischen Hauptstadt hatten wir keine Unterkunft gebucht, sondern würden erstmals Couchsurfing ausprobieren. Für drei Nächte würden wir kostenlos bei Maximiliano unterkommen. Von unserem Wohnort in Kapstadt flogen wir nach Johannesburg, kauften am Flughafen noch schnell ein Gastgeschenk für unseren Gastgeber, bestehend aus einigen südafrikanischen Spezialitäten (Wein, Amarula-Schnaps und Biltong), und hoben schließlich am frühen Vormittag Richtung Buenos Aires ab.

Nach einem 11 Stunden langen und relativ ruhigen Tagflug mit South African Airways landeten wir gegen 16 Uhr in der argentinischen Hauptstadt. Da Taxis umgerechnet ca. 50 Euro für die Fahrt in die Innenstadt verlangen, haben wir uns ein Ticket für den Shuttlebus gelöst, der uns bis zum Puerto Madero, dem Hafen, fahren sollte. Während der Fahrt konnten wir so schon einen ersten Eindruck von der 3 Millionen Einwohner zählenden Stadt gewinnen. Vom Hafen fuhr uns schließlich ein Taxi bis ins Szeneviertel San Telmo, wo unserer Couchsurfing Gastgeber Maximiliano wohnt. Dieser war jedoch noch auf Arbeit, doch hatte er uns im Vorfeld gesagt, er werde den Schlüssel an der Rezeption seines Wohnblocks abgeben, damit wir ihn direkt in Empfang nehmen können. Anscheinend hatte er das jedoch vergessen. Obwohl wir beide kaum Spanisch sprechen und in Argentinien anscheinend niemand englisch spricht, gelang es uns dann doch irgendwie, uns dem Portier verständlich zu machen. Dieser rief Maximilianos Bruder an, der zum Glück auch in dem Wohnkomplex wohnt und gab uns schließlich den Schlüssel für das Apartment. Wir fanden es schon ziemlich krass, dass Max solch ein Vertrauen in fremde Menschen hat. Wer es drauf anlegt, hätte durchaus die Bude ausräumen und wieder abhauen können, doch Max erzählte uns später, dass er bisher nur positive Erfahrungen als Couchsurfing-Host gemacht habe und wir ja schließlich zuverlässige Deutsche seien 😉

Max kam dann auch etwa 2 Stunden später nach Hause, die wir nutzten, um zu duschen und uns etwas auszuruhen. Max, der unser Alter hatte, entpuppte sich wirklich als netter und guter Gastgeber, erklärte uns, wo es was in der Stadt zu entdecken gibt, wir redeten etwas über unsere Reisen in ferne Länder und dann schlug er vor, dass wir später zusammen mit seinem Bruder in eine neue Bar mit Livemusik gehen, die gerade neu eröffnet hatte. Gesagt, getan. In der Bar gab es total leckeres Fingerfood, das kostenlos angeboten wurde. Wir tranken ein paar Bier, unterhielten uns nett und lauschten der Musik. Um Mitternacht gingen Judith und ich dann zurück nach Hause, da wir aufgrund der Zeitverschiebung von fünf Stunden doch arg mit Müdigkeit zu kämpfen hatten und fielen sofort tot auf unsere Schlafcouch, während die zwei Jungs noch weiter feierten.

Kostenlose City Tour: Zu Fuß durch die Geschichte Argentiniens

Am nächsten Tag nahmen wir an einer kostenlosen City Tour teil, die ich allen Buenos Aires Reisenden wirklich nur ans Herz legen kann. Die Guides bieten die Stadtbesichtigungen zwei Mal täglich (11 Uhr, Plaza del Congreso bzw. 17 Uhr, Plaza San Martín) kostenlos an, doch sollte man – wenn einem die Tour denn gefallen hat – am Ende ein kleines Trinkgeld geben, das jeder selbst festlegen kann. Unsere sympathische Stadtführerin führte uns zu Fuß mit viel Freude, Humor und Begeisterung durch das Stadtzentrum von Buenos Aires und versorgte uns auf englisch mit spannenden Informationen zu wichtigen Bauwerken, Monumenten und Persönlichkeiten Argentiniens, brachte uns die Geschichte der Stadt näher und erzählte einige Fun Facts und Anekdoten. Sogar einige Geheimnisse wurden gelüftet, die selbst viele Porteños, wie sich die Einwohner von Buenos Aires nennen, noch nicht kennen bzw. sie nicht wissen wollen. Zu letzter Kategorie gehört etwa der Fakt, dass die Avenida 9 de Julio nicht, wie so oft behauptet, die breiteste Straße der Welt ist. Dieser Weltrekord geht vielmehr an eine Straße in Brasiliens Hauptstadt Brasilia. Alles in allem war die Free City Tour eine wirklich interessante und dank unserer Führerin eine sehr amüsante Art, Buenos Aires kennen zu lernen.

Künstler, Kreative, Scheiße und Steak

Was mir beim ersten Spaziergang durch Buenos Aires sofort auffiel waren die unzähligen Künstler, die in der Stadt ihre Staffeleien aufgebaut hatten und sich ihrer Kreativität hingaben. Zudem sollte man in Buenos Aires wirklich aufpassen, wo man hintritt und immer ein Auge auf den Boden gerichtet lassen. Ich habe noch keine Stadt erlebt, wo so viel Hundekacke auf dem Boden liegt, wie in der argentinischen Hauptstadt. Selbst Berlin oder Paris können dagegen nicht anstinken. Kein Wunder, leben in Buenos Aires doch knapp eine halbe Millionen Hunde. Hinzu kommen noch die unregistrierten Straßenhunde. Während die Besitzer der Vierbeiner arbeiten, übernehmen Hundesitter die Leine und führen nicht selten Rudel von bis zu 15 Tieren durch die Parks in Palermo.

Da es nach der Tour zu regnen anfing, machten wir es uns in dem wohl bekanntesten Caféhaus von Buenos Aires, dem Café Tortoni, gemütlich und schlürften als Nicht-Kaffee-Trinker einen leckeren Submarino, wie hier die heiße Schokolade genannt wird. Abends werden im Keller des Cafés auch Tangoshows aufgeführt. Allerdings muss man auch erwähnen, dass man hier für die besondere Atmosphäre und den Namen ordentlich drauf zahlt. Anderswo bekommt man sicherlich ebenso gute Kaffees zum halben Preis.

Im Anschluss besichtigten wir noch die Stadt-Kathedrale, in der Papst Franziskus früher Predigten hielt sowie den Präsidentenpalast. Am Abend kehrten wir in ein Restaurant ein, um die so hoch gelobten argentinischen Steaks, ein Bife de Chorizo, zu genießen. Leider konnte mich das Steak jedoch nicht überzeugen, es war mir zu durchsetzt und durchgebraten. Hätte mir da wirklich mehr erwartet. Aber ich beschloss, am nächsten Tag noch einmal ein Steak in einem der bekanntesten Steakhäuser von Buenos Aires zu versuchen, bevor ich mir ein Urteil bilde.

Da wir den ganzen Tag auf den Beinen waren und uns noch ein kleiner Jetlag plagte, fielen wir dann wieder recht früh ins Bett. Max war an diesem Abend auf einem Konzert und kam erst gegen 6 Uhr morgens nach Hause. Das ist hier jedoch keine Seltenheit, da viele Clubs in Buenos Aires erst gegen 2 oder 3 Uhr ihre Pforten öffnen. Gefeiert wird dann bis zum Morgengrauen oder darüber hinaus.

La Boca: Farben, Fußball, Italiener und Tango

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus nach La Boca, einem Viertel italienischer Einwanderer im Osten von Buenos Aires, das wohl vor allem Fußballfans ein Begriff sein dürfte. Hier steht nämlich das gelb/blaue Stadion des Fußballclubs “Boca Juniors”. Aber auch die bunten Wellblechhäuser sind ein beliebtes Motiv auf Photos, die einst aus dem Blech abgewrackter Schiffe gebaut und mit Schiffslack bunt gemalt wurden. Auf den Straßen der Fußgängerzone Caminito lässt sich wunderbar flanieren. Hier preisen viele Künstler ihre Werke an, man kann Souvernirs kaufen, den Porteños beim Tango tanzen zusehen und sich in einem der vielen Restaurants die Bäuche vollschlagen.

In La Boca befindet sich auch ein kleines, unscheinbares Restaurant namens El Obrero, das mir als Geheimtipp empfohlen wurde. Hier kehren Industriearbeiter aus La Boca wie auch berühmte Sport- und Hollywoodstars ein. An den Wänden hängen überall Fußballschals und Bilder aller möglicher Promis, die im El Obrero bereits ein Steak vertilgten. Ich bestellte dieses Mal ein Bife de Lomo, das mich dann auch mit dem immer wieder hochgelobten argentinischen Rindfleisch etwas versöhnen konnte. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich in Südafrika bereits wesentlich wohlschmeckendere und zartere Steaks gegessen habe. Aber das ist sicherlich auch Geschmackssache.

Am Nachmittag statteten wir schließlich noch dem riesigen Flohmarkt in San Telmo einen Besuch ab, der jeden Sonntag stattfindet. Hier kann man sich wunderbar mit Mitbringseln eindecken. Daneben befinden sich viele Antiquitätengeschäfte, Restaurants und Tangocafés, die zum Verweilen einladen. Auch auf den Straßen werden überall Tangoaufführungen gezeigt. Bevor es zurück zu unserem Couchsurfing-Host Max ging, genehmigten wir uns noch ein Dulce de Leche Eis in einer der unzähligen Eisdielen. Man sagt, dass die Argentinier besseres Eis zubereiten, als die Italiener. Wie auch beim Steak kann man darüber sicherlich streiten, wir haben unser Eis aber sehr genossen.

Mit Max und einigen Freunden von ihm waren wir am unserem letzten Abend zum Essen verabredet. Gemeinsam fuhren wir in das angesagte Viertel Palermo Hollywood y Soho und ließen den Abend in einigen Bars ausklingen. Am nächsten Morgen hieß es für uns Abschied nehmen, bevor uns ein Taxi zum Hafen brachte und wir mit der Fähre nach Uruguay übersetzten.

Das Fazit: CouchSurfing, immer wieder gern!

Unsere erste Couchsurfing-Erfahrung war durchgehend positiv. Unser Host war wirklich sehr freundlich und umgänglich. Er hat uns sogar einen eigenen Schlüssel gegeben, so dass wir kommen und gehen können, wann wir wollen. Ein großer Vorteil ist, dass man gleich Insider Informationen von den Einheimischen erhält, man direkt unter Leute kommt und so viel mehr von Land, Kultur und Leuten mitnimmt, als wenn man in einem unpersönlichen Hotel unterkommt. Nachteilig ist es sicherlich, wenn man seine Ruhe haben und allein sein möchte. Wer aber nicht gerade auf Hochzeitsreise ist und keine Berührungsängste hat, dem sei das Couchsurfing wirklich zu empfehlen. Für uns war es sicherlich nicht unser letztes Mal!

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2 thoughts on “Mein erstes Mal Couchsurfing in Buenos Aires

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